Nairobi/Juba - Die Vereinten Nationen sehen den Südsudan an der Schwelle zu einem erneuten Bürgerkrieg. Die politischen Spannungen vertieften sich weiter, während die Gewalt eskaliere, sagte der Leiter der dortigen UN-Mission (Unmiss), Nicholas Haysom, am Montag (Ortszeit), der aus der Hauptstadt Juba bei einer Pressekonferenz in New York zugeschaltet war. Angriffe auf Zivilisten, Massenvertreibungen und ethnisch aufgeladene Propaganda gefährdeten die fragilen Strukturen, die seit dem Friedensvertrag 2018 nach dem Bürgerkrieg etabliert wurden.
Damals einigten sich die Gegner Salva Kiir und Riek Machar nach fünf Jahren Krieg darauf, gemeinsam eine Regierung zu bilden. Kiir wurde Präsident, Machar sein Vize.
Anfang März überrannten Milizen, denen eine Verbindung zur Miliz des Vizepräsidenten nachgesagt wird, Militärposten in der Provinz Upper Nile. Die Regierung reagierte mit Bombardierungen von zivilen Gebieten und der Verhaftung von Politikern. Etliche Zivilisten seien getötet worden, andere hätten schwere Verbrennungen erlitten, sagte Haysom. Mehr als 60.000 Menschen sind nach UN-Angaben aus der betroffenen Region geflohen. Am Wochenende hatte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) wegen der Bürgerkriegsgefahr die vorübergehende Schließung der deutschen Botschaft im Südsudan angekündigt.
Der Südsudan war erst 2011 nach einem Krieg vom Sudan unabhängig geworden. Ein erneuter Krieg würde nicht nur den Südsudan, sondern die gesamte Region in eine tiefe Krise stürzen, erklärte der Unmiss-Chef. Auch in anderen Landesteilen, nahe der Hauptstadt Juba, gab es in den vergangenen Tagen gewaltsame Auseinandersetzungen. Haysom zufolge mobilisieren die Milizen zudem Kinder als Soldaten.
Vermittlungsversuche seitens der UN und regionaler Akteure seien bisher gescheitert, sagte Haysom. Auch die EU hatte Unterstützung angeboten. Der Unmiss-Leiter forderte Kiir und Machar auf, sich öffentlich zum Friedensabkommen von 2018 zu bekennen und der Gewalt ein Ende zu setzen. Entgegen dem Abkommen und einem Waffenembargo hat das Nachbarland Uganda Truppen in den Südsudan geschickt.