Unicef: Bildungsverbot für Mädchen in Afghanistan "katastrophal"

Köln, New York - Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hat das andauernde Verbot der Sekundarschulbildung für afghanische Mädchen als „katastrophal“ bezeichnet. „Das Verbot hat negative Folgen für das Gesundheitssystem, die Wirtschaft und die Zukunft des Landes“, sagte Unicef-Exekutivdirektorin Catherine Russell am Samstag. „Mit dem Beginn des neuen Schuljahres in Afghanistan sind es drei Jahre, seit das Verbot der Sekundarschulbildung für Mädchen in Kraft getreten ist.“ Bleibe es bis 2030 bestehen, würden über vier Millionen Mädchen ihres Rechts auf eine weiterführende Schulbildung nach der Grundschule beraubt worden sein.

„Je weniger Mädchen eine Ausbildung erhalten, desto höher ist ihr Risiko einer Kinderheirat, mit negativen Auswirkungen für ihr Wohlergehen und ihre Gesundheit“, betonte Russell. „Zusätzlich wird das Land einen Mangel qualifizierter weiblicher Gesundheitsmitarbeiterinnen erfahren.“ Das gefährde wiederum Menschenleben, denn mit weniger Ärztinnen und Hebammen erhielten Mädchen sowie Frauen nicht die benötigte medizinische Behandlung und Unterstützung. „Wir schätzen, dass die Müttersterblichkeit um weitere 1.600 Fälle und die Säuglingssterblichkeit um über 3.500 Fälle steigen werden“, betonte die Unicef-Exekutivdirektorin.

„Trotz des Verbots haben wir 445.000 Kindern durch gemeindebasiertes Lernen Zugang zu Bildung ermöglicht - 64 Prozent davon sind Mädchen“, sagte Russell. „Wir stärken zudem weibliche Lehrkräfte, um sicherzustellen, dass Mädchen positive Vorbilder haben.“ Die „De-facto-Behörden“ müssten das Verbot aufheben, denn Bildung sei nicht nur ein grundlegendes Recht, sondern auch der Weg zu einer gesünderen, stabileren und wohlhabenden Gesellschaft. „Wenn diesen begabten, intelligenten jungen Mädchen weiterhin Bildung verweigert wird, dann werden die Konsequenzen über Generationen zu spüren sein“, betonte sie.

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