Zwei Millionen Euro Hilfsleistungen für Opfer von Colonia Dignidad

Berlin - Opfer der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile haben in der vergangenen Wahlperiode laut einem Medienbericht rund zwei Millionen Euro an Hilfsleistungen erhalten. Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ (Donnerstag) unter Verweis auf einen Bericht der Gemeinsamen Kommission von Bundestag und Bundesregierung zur Aufarbeitung der Verbrechen der Colonia Dignidad berichtete, wurden 398 Anträge von Betroffenen bewilligt.

Seit Anfang 2020 erbringt die Bundesrepublik im Rahmen eines von der Kommission erarbeiteten Konzepts Leistungen an die Opfer der Siedlung. Dafür waren insgesamt 3,5 Millionen Euro vorgesehen. Laut „Spiegel“-Bericht wurden auch 49 Anträge abgelehnt. Teilweise sei es schwer, Opfer und Täter klar voneinander abzugrenzen, da manche Opfer sich später selbst schuldig gemacht hätten, hieß es.

Die Colonia Dignidad, zu Deutsch „Siedlung der Würde“, wurde 1961 von Paul Schäfer gegründet, der wegen Ermittlungen wegen Kindesmissbrauchs aus Deutschland geflohen war. Zwangsarbeit und Missbrauch gehörten zum Alltag der Siedlungsbewohner. Schäfer unterstützte aktiv den Militärputsch von 1973 und verwandelte die Siedlung während der Diktatur von 1973 bis 1990 in ein geheimes Folterzentrum. Etwa 100 Menschen wurden in der Colonia Dignidad ermordet. Die Deutsche Botschaft in Chile war seit 1966 über die Zustände dort informiert, rühmte die Siedlung trotzdem jahrelang als Vorzeigeprojekt. Erst ab 1987 fand ein Umdenken statt.

Anfang der Woche hatte die chilenische Regierung einen Plan zur Enteignung von Teilen der ehemaligen Sektensiedlung vorgestellt, um dort ein Erinnerungszentrum zu errichten. Ein Teil der Siedlungsbewohner lebt bis heute auf dem Gelände und betreibt unter anderem einen Restaurant- und Hotelbetrieb in den Häusern.

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