Kolumbien: Populäre Vizepräsidentin scheidet aus Regierung aus

Berlin/Bogotá - Kolumbiens bisherige Vizepräsidentin Francia Márquez ist überraschend nicht mehr im Kabinett vertreten. Nachdem er alle Regierungsmitglieder zum Rücktritt aufgefordert hatte, präsentierte Präsident Gustavo Petro am Donnerstag (Ortszeit) die neuen Ministerinnen und Minister, wie die Tageszeitung „El Tiempo“ berichtete. Die afrokolumbianische Umweltaktivistin und bisherige Ministerin für Gleichstellung, Márquez, wurde dabei nicht einmal erwähnt. Die Agrartechnikerin, die viel Rückhalt in der ländlichen Bevölkerung und bei sozialen Bewegungen hat, hatte 2022 entscheidend zum Wahlsieg Petros beigetragen.

„Mein Engagement für Kolumbien hängt nicht davon ab, ob ich ein Ministeramt habe“, erklärte Márquez daraufhin. Zugleich standen sie und ihr Ministerium in der Kritik, die Erwartungen nicht erfüllt zu haben. Petro, der erste linke Präsident Kolumbiens, wollte in seiner Amtszeit die Lage der Frauen verbessern und schuf als Erstes ein Gleichstellungsministerium. Doch traten Petro und Márquez seit der Vereidigung kaum als Team auf, ihr Verhältnis war geprägt von Streit und Entfremdung. Als neuer Minister für Gleichstellung wurde der afrokolumbianische Aktivist Carlos Rosero nominiert. Der Anthropologe führt die einflussreichste afrokolumbianische Organisation PCN.

Betonung auf Diversität

Bei der Vorstellung der sieben neuen Ministerinnen und Minister hob Petro die Diversität seines Kabinetts hervor. So hat die neue Kulturministerin Yannai Kadamani libanesische Wurzeln. Das Umweltministerium übernimmt Lena Estrada Añokazi, das erstes indigenes Kabinettsmitglied in der Geschichte des südamerikanischen Landes. Heftige Kritik und Rücktritte früherer Ministerinnen gab es wegen der Ernennung Armando Benedettis zum Innenminister. Er geriet wegen sexistischer Übergriffe in die Schlagzeilen und muss sich mehrfach wegen Korruption vor Gericht verantworten.

Petros Rückhalt in der Bevölkerung ist schlechter denn je. Der ehemalige Guerillero konnte bisher kaum eines seiner Wahlversprechen umsetzen. Weder gelingt ihm eine Befriedung des seit Jahrzehnten unter der Gewalt bewaffneter Gruppen leidenden Landes, noch eine Verbesserung des Gesundheitssystems oder eine gerechtere Verteilung von Vermögen und Land. Laut Umfragen zeigen sich rund zwei Drittel der Kolumbianer mit der Regierungsarbeit unzufrieden, wie das Meinungsforschungsinstituts Invamer Poll ermittelte.

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