Frankfurt a.M., Bogotá - Die Regierung in Kolumbien ist in eine schwere Krise geraten. Präsident Gustavo Petro forderte Ministerinnen, Minister und leitende Beamte am Sonntag (Ortszeit) zum Rücktritt auf, wie er im Internetdienst X mitteilte. Es werde einige Änderungen im Kabinett geben, um das von der Bevölkerung in Auftrag gegebene Programm besser zu erfüllen. Davor waren nach einem Streit bei einer öffentlichen Kabinettssitzung am Dienstag mehrere Regierungsmitglieder zurückgetreten.
Bei der über Fernsehen und Internet übertragenen Kabinettssitzung hatten sich Regierungsmitglieder gegenseitig schlechte Arbeit vorgeworfen. Zudem hatte es einen Streit über die Ernennung des wegen Vetternwirtschaft und sexistischer Übergriffe in die Schlagzeilen geratenen Armando Benedetti als Präsidialamtsleiter gegeben, die Präsident Petro vorgenommen hatte. Gegen Benedetti laufen mehrere Verfahren wegen Korruption, und seine Frau zeigte ihn vor einigen Monaten wegen Misshandlung an, als er Botschafter bei der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO in Rom war.
Die kolumbianische Vizepräsidentin Francia Márquez hatte bei der Kabinettssitzung am Dienstag die Ernennung kritisiert, unterstützt durch mehrere Kabinettsmitglieder, darunter auch Umweltministerin und Petro-Weggefährtin Susana Muhamad. Nach der Sitzung waren der Petro-Vertraute und Chef der Regierungsverwaltung, Jorge Rojas, sowie der Kulturminister Juan David Correa zurückgetreten. Am Sonntag kündigte auch Muhamad ihren Rückzug an. Sie war bisher eine von Petros größten Stützen in der Regierung, arbeitete an seiner Seite seit seiner Zeit als Bürgermeister der Hauptstadt Bogotá (2012-2016) und gehörte zu den Regierungsmitgliedern mit dem höchsten Rückhalt in der Bevölkerung.
Petro hat noch 18 Monate bis zum Ende seiner regulären Amtszeit, die geprägt ist von häufigen Kabinettsumbildungen, Entlassungen und Rücktritten von Ministerinnen und Ministern. Der Ex-Guerillero war 2022 als erster linker Präsident Kolumbiens mit dem Ziel angetreten, das seit den 1960er Jahren von Krieg beherrschte Land zu befrieden, den Umweltschutz voranzutreiben und den Besitz umzuverteilen. Ganz explizit wollte er in dem stark patriarchalisch geprägten südamerikanischen Land die Lage der Frauen verbessern, sammelte ein paritätisch besetztes Kabinett um sich und machte die afrokolumbianische Umweltaktivistin Márquez zur Vizepräsidentin.