Brüssel/Straßburg - Der Sacharow-Menschenrechtspreis des Europaparlaments geht in diesem Jahr an die venezolanische Opposition. Namentlich ehrt das EU-Parlament María Corina Machado als führende Vertreterin der demokratischen Kräfte in Venezuela und den gewählten Präsidenten Edmundo González Urrutia. Sie stünden stellvertretend für alle Venezolaner innerhalb und außerhalb des Landes, die für die Wiederherstellung von Freiheit und Demokratie kämpfen, sagte EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola am Donnerstag im Plenum in Straßburg.
Die Opposition in Venezuela wirft der Regierung unter dem sozialistischen Machthaber Nicolás Maduro vor, das Ergebnis der Präsidentenwahl vom Juli manipuliert zu haben. Mehrere Länder, darunter die USA, erkennen González als rechtmäßigen Präsidenten an, ebenso das EU-Parlament.
„Edmundo und María haben ausdauernd gekämpft für einen freien, fairen und friedlichen Machtwechsel. Sie haben unerschrocken die Werte hochgehalten, die Millionen von Venezolanern und diesem Parlament so am Herzen liegen: Gerechtigkeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“, begründete Metsola die Entscheidung. Das EU-Parlament stehe an ihrer Seite im Kampf für eine demokratische Zukunft des Landes. Die demokratische Opposition Venezuelas erhielt bereits 2017 den Sacharow-Preis.
Die Parlamentspräsidentin sicherte auch den anderen Nominierten ihre Unterstützung zu. Dazu gehörten die Friedensbewegungen „Women Wage Peace“ und „Women of the Sun“, die israelische und palästinensische Frauen vereinen wollen. Außerdem stand der aserbaidschanische Ökonom und Regierungskritiker Gubad Ibadoghlu zur Wahl. Die Abgeordneten ehrten die Preisträger sowie die Finalisten mit Standing Ovations.
Der nach dem sowjetischen Physiker und politischen Dissidenten Andrej Sacharow (1921-1989) benannte Preis wird seit 1988 jährlich an Personen und Organisationen verliehen, die sich für Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen. Die Auszeichnung ist mit 50.000 Euro dotiert. Die Zeremonie zur Verleihung des Sacharow-Preises für geistige Freiheit findet am 18. Dezember in Straßburg statt. Im vergangenen Jahr wurden posthum die im Polizeigewahrsam gestorbene Jina Mahsa Amini und die feministische Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ im Iran ausgezeichnet.